Haus ("Burg") Ingenhoven

https://lobberi.ch/ingenhoven

und Ingenhovenpark

 

Ein Lehnsregister des Herzogtums Geldern, welches mit dem Jahre 1326 beginnt, nennt schon früh "Eynen hoof achter der kerken tot Lobbroeck gelegen (...) Anno 1403." => "Ein Hof, hinter der Kirche zu Lobberich gelegen" => Haus Ingenhoven. Ab 1390 waren die von Bocholtz auch Lehensträger Hofes Ingenhoven.

Man muss dabei nicht nur das heute stehende Gebäude betrachten, sondern einen noch größeren Hof, der sich direkt daneben befand:

Haus Lobberich aus Clemen
Paul Clemen: Link Kunstdenkmäler des Kreises Kempen, "Lobberich" Seite 111

Bis zur französischen Besetzung war einer der Rittersitze des Oberquartiers von Gelderland und bis nach dem Tode des Herrn Bürgermeisters Link Heinrich Kessels (gestorben 1864) als "Rittergut" in die Rolle der landtagsfähigen Rittergüter des Kreises Kempen eingetragen.

Abt Reinhard von Corvey
Abt Reinhard von Bocholtz-Ingenhoven von Corvey + 1585

Diese Burg lag ehemals auf einer künstlichen Insel, rings von breiten Gräben umgeben und mit den südwestlich anstoßenden größeren Haus Lobberich durch eine Brücke verbunden.

Seitdem letzteres vom Erdboden verschwunden ist, sind vor und nach die Gräben ausgefüllt worden

Das noch jetzt erhaltene Herrenhaus Ingenhoven ist ein fast quadratischer, zweistöckiger Hauptbau mit vier Eckdachtürmchen, einem Flügelanbau und dem Frontgebäude mit den beiden flankierenden Rundtürmen.

Der Linie von Bocholtz zu Ingenhoven entstammen bedeutende weltliche und geistliche Würdenträger, deren wichtigster Reiner, Fürstabt des reichsfreien Klosters Corvey (1555-1585) war.

Haus Lobberich neben Haus Ingenhoven
Ingenhovenpark mit alter Kirche und Haus Lobberich - die "Burg" ist dagegen relativ klein...

Durch Erbteilung im Jahr 1748 kam Ingenhoven zunächst in den Besitz der Familie der Freiherren von Bentinck zu Limbricht. Über Maria Margaretha Baronesse von Bocholtz, Tochter des letzten männlichen Nachkommens Arnold von Bocholtz und Ehefrau des Link Wilhelm Ludwig Joseph, Freiherr von Mirbach zu Harff kamen Burg Bocholt nebst Ländereien und weiterer Gebäude, darunter Link Gut Brockerhof, an die Freiherren und (1803/04) späteren Link Grafen von Mirbach-Harff.

1820 kam es schließlich in bürgerliche Hände, nämlich über den Erbpächter Peter Dammer und seinen Schwiegersohn, an den langjährigen Lobbericher Bürgermeister Johann Link Heinrich Kessels. Als Ritter des Roten Adlerordens blieb sein Haus (Ingenhoven) als Rittersitz bis zu seinem Tod landtagsfähig.

Nach dem Tode des Link Heinrich Kessels, 1864, teilten dessen Kinder die Ländereien des Hauses, wodurch das Haus seine Qualität als Rittergut verlor. Von den Gebäuden des Hauses Ingenhoven steht noch das 1544 erbaute Herrenhaus; die Wohnung des Pächters und die Oekonomiegebäude sind nach der nach Bürgermeister Kessels' Tod erfolgten Teilung der Ländereien abgebrochen worden.

Durch die Heirat der Tochter Katharina Kessels mit Link Kommerzienrat Karl Niedieck gelangte das Kastell in den Besitz des Geldadels, der bürgerlichen Industriellenfamilie Niedieck: Karl, überließ einen großen Teil des Grundstückes seinem Bruder, Kommerzienrat Link Julius Niedieck, der zu Ende der sechziger Jahre eine schöne Villa "Haus Erlenbruch" darauf erbaute.

Exkurs: Haus Erlenbruch:
Haus Erlenbruch wurde 1927 gegen ein Gut in Arcen (NL) mit dem Industriellen Robert Kahrmann getauscht. Erst in den 1990er Jahren (?) wurden ein Großteil dieses Grundstückteiles (inzwischen in städtischer Hand) zum öffentlich zugänglichen Park, der Ludbach darin freigelegt.

1935 erwarb die Gemeinde Lobberich die "Burg" von Lucie Niedieck (Tochter von Karl). Kastell Ingenhoven wurde zur „Burg Ingenhoven“ germanisiert und der Park für die Öffentlichkeit hergerichtet. In den Jahren 1975-77 baute es die Zivilgemeinde zu einem Hotel um (Übergabe 28. August 1977) Nach mehrfachen unglücklichen Versuchen, das Haus zu verpachten, verkaufte die Zivilgemeinde das Haus es in den 1980er Jahren an den Betreiber.

Dies ist heute (2022) die Weblink Familie Rosenwasser.

Bilder

Haus Ingenhoven 1860

Nordansicht um 1860. Quelle: Finken: Herrlichkeit Lobberich, 104a

um 1901

Westansicht um 1901

...und 100 Jahre später

Das "N" auf den Wimpeln stammt aus der Zeit, als Karl Niedieck Eigentümer war.


Weiterführende Links:

  • Paul Clemen: Die Kunstdenkmäler des Kreises Kempen: Haus Ingenhoven (1881)
  • Finken: Geschichte der ehemaligen Herrlichkeit Lobberich, darin: Haus Ingenhoven und seine Besitzer
  • Haus Bocholt Sitz der Herren von Bocholtz zu Bocholt
  • Bericht der RP über den Ingenhovenpark um "Burg" Ingenhoven (nicht mehr online - datiert 2000-08-09)
  • RP-online Ein Reichsfürst aus Lobberich - Reiner von Bocholtz wurde 1555 Fürstabt von Corvey. Etliche Bocholtz hatten hohe Ämter im Benediktinerorden.

Straßenbezeichnungen die im Zusammenhang mit das Haus Ingenhoven und seinen Besitzern stehen:

  • Burgstraße
  • Ingenhovenweg
  • Ingenhovenpark
  • Im Hoverbuch
  • Hoverkampstraße
  • von-Bocholtz-Straße

Hörnschemeyer (1971, 16) beschreibt den Teil "Hover" "als "zum Hof gehörend", gemeint ist Haus Ingenhoven. "kamp" (vgl. lat. campus) bedeutet Feld. (vgl. Kampstraße) Hoverkamp daher = Feld oder Land, das zu Haus Ingenhoven gehört.