Die Bedeutung
der Alten Kirche
im Gemeindeleben

Aus: Künzel, Anja: Lobberich. Pfarrgemeinde St. Sebastian.
In:
dies.: Kirche bauen - Gemeinde bilden. Zur Beziehung von Architektur, Kunst und Liturgie im Leben katholischer Pfarrgemeinden. Fünfzehn Skizzen aus dem Bistum Aachen. Aachen 1995, S. 186ff.

Das Buch ist erhältlich im Verlag Das Beispiel, Darmstadt (34,--)  (Mail A. Künzel: )


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Der Verbleib der Alten Kirche

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Im Vergleich zur Neuen Kirche scheint die Alte Kirche in ihrer Ruinenhaftigkeitnur noch ein stiller Zeuge vergangener Jahrhunderte zu sein. Allerdings ist gerade dieser Raum ein ausdrucksstarkes Bild, das als Glaubenszeugnis früherer Zeiten in die Gegenwart der Gemeinde hineinspricht, ihr Selbstverstännis anfragt und nicht zuletzt die Erinnerungen an die Aufbrüche der 60er Jahre wachhält.

Die Alte Kirche im Leben der Gemeinde

Welche Gruppen der Gemeinde man auch antrifft, von allen wird die mangelnde Solidarität der Gemeinde nach innen beklagt.

"... Halte ich einige Damen und Herren sehr in ihre eigene Kirche (gemeint ist hier die Alte Kirche) zurückgezogen" ein Gemeindemitglied. (...)

Nur wenige, oder immer dieselben sind wirklich bereit, sich zu engagieren, Verantwortung zu übernehmen. Neue sind schwer hinzuzugewinnen. Bestehende Kreise scheinen deswegen sogar die Fortschreibung erstarrter Strukturen zu fördern. Diese Frage stellt sich z.B. bei den   Messdienern, die (...) bis heute keine Mädchen aufnehmen.

Kritische Stimmen, Infragestellungen der allgemeinen Praxis der Gemeinde und Reflexionen über deren Zukunft entstehen am ehesten aus dem Umkreis der Alten Kirche. Dieser Kreis bemüht sich bei der Frage, was Kirche heute darstellen und was dementsprechend eine Ortsgemeinde leben kann, um eine Communio, die Gemeinschaft, Geborgenheit und Wärme schenkt und Atmosphäre schafft.

Der Raum der Alten Kirche unterstützt dieses basisgemeindliche Denken. Sein Rohzustand, der zum Improvisieren zwingt, ist gewollt, in seiner Brüchigkeit mahnt er die versammelte Gemeinde, sich ihrer Identität, selbst lebendiges Bild der Nähe Gottes zu sein, zu erinnern.  
Die Alte Kirche ist auf diese Weise stete Erinnerung vergangenen Glaubenszeugnisses und Herausforderung an die Gemeinde. (...)

Die liturgische Erneuerung des Konzils ist (...), soweit sie in Lobberich Eingang gefunden hat, über die Alte Kirche in die Gesamtgemeinde gekommen. Dem kleineren Kreis von Menschen aus der Gemeinde, der sich der Alten Kirche zugehörig weiß, ist das, was dort seit dem Konzil geschehen konnte, ein wesentlicher liturgischer wie außerliturgischer Baustein für das Leben der Gemeinde. (...)

Die Gottesdienste der ausländischen Bürger, der einmal monatlich stattfindende Jugendgottesdienst, hier und da ein Singspiel im Stile Peter Janssens, die mitternächtliche Weihnachtsmette der Alten Kirche ist manchem ein Ersatz für das, was in der Neuen Kirche nicht geschieht, nicht geschehen kann: Unmittelbarkeit, Experimentierlust, infragestellende Verkündigung, Progressivität und Provokation stehen noch immer auf der Wunschliste so mancher Lobbericher. Die Alte Kirche gibt diesem Wunsch offenbar mehr Raum, als die Neue Kirche. Diese mutet, obwohl aufs Sorgfältigste restauriert, in ihrer Liturgie wie in ihrer Gestaltung ein wenig museal an. (...)

Dennoch handelt es sich bei beiden, Alter und Neuer Kirche mit ihren dazugehörigen Menschen um Kirchen einer Gemeinde. Jede scheint der anderen zwar ein Dorn im Auge zu sein, aber dies kann sich (...) durchaus positiv auswirken. (...)

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